hippo-physio

Gezielte Bewegungsimpulse für Rücken und Gelenke

Hippotherapie Behandlungsablauf: Die wichtigsten Schritte und Vorbereitungen

Eine Hippotherapie beginnt nicht mit dem Aufsitzen. Vor der ersten Behandlung braucht es eine ärztliche Verordnung, eine physiotherapeutische Einschätzung und ein Team, das Patient, Pferd und Umgebung aufeinander abstimmt.

Aktualisiert29. Oktober 2026
Lesezeit6 Min. Lesezeit
Hippotherapie Behandlungsablauf: Die wichtigsten Schritte und Vorbereitungen

Erst wenn diese Voraussetzungen geklärt sind, kann die Bewegung des Pferdes gezielt therapeutisch genutzt werden.

Der Ablauf einer Hippotherapie-Sitzung ist dabei klar geführt: Die Behandlung findet auf dem Pferd ausschließlich im Schritt statt. Der Patient reitet nicht selbstständig; das Pferd wird von einem geschulten Pferdeführer geführt, während die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut die Haltung und Bewegung begleitet. Für die reine Behandlungszeit auf dem Pferderücken sind in der Regel 20 bis 30 Minuten vorgesehen.

1. Ärztliche Verordnung und Indikation

Am Anfang steht die ärztliche Verordnung. Sie ist Voraussetzung für die Durchführung der Hippotherapie nach den Richtlinien des DKThR und für mögliche Kostenanträge. Die Ärztin oder der Arzt beurteilt, ob die Behandlung für die konkrete gesundheitliche Situation infrage kommt und ob Kontraindikationen dagegensprechen.

Die Verordnung allein ersetzt jedoch nicht die physiotherapeutische Einschätzung. Vor dem Start muss geklärt werden, welche Ziele mit der Behandlung verfolgt werden und wie die Person auf die Bewegung des Pferdes reagieren kann. Das ist individuell: Beweglichkeit, Muskelspannung, Gleichgewicht und die Fähigkeit, eine geeignete Sitzposition einzunehmen, unterscheiden sich von Patient zu Patient.

Wer eine erste Hippotherapie-Stunde vorbereitet, sollte deshalb vorhandene medizinische Informationen und die ärztliche Verordnung vorab mit der behandelnden Praxis besprechen. Fragen zu Beschwerden, Belastbarkeit oder Veränderungen des Gesundheitszustands gehören ebenfalls in dieses Vorgespräch. Die Therapeutin oder der Therapeut kann dann beurteilen, welche Unterstützung beim Transfer nötig ist und worauf während der Behandlung besonders geachtet werden muss.

Die Hippotherapie ist eine physiotherapeutische Einzelbehandlung auf neurophysiologischer Grundlage. Sie wird von einer speziell qualifizierten Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten durchgeführt. Ein regulärer Reitunterricht ist damit nicht gemeint: Ziel ist keine Reitausbildung, und der Patient übernimmt nicht die Führung des Pferdes.

2. Eingangsbefundung: Was vor dem Aufsitzen geklärt wird

Vor der Reitphase erhebt die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut einen Befund. Dabei geht es um den individuellen Bewegungs- und Unterstützungsbedarf. Die Einschätzung gibt vor, wie die Behandlung gestaltet wird, welche Position auf dem Pferd geeignet ist und welche Hilfen beim Auf- und Absteigen gebraucht werden.

Ein Teil der Vorbereitung betrifft die sichere Organisation des Transfers. Dafür können Rampen, Podeste oder Lifter eingesetzt werden. Welche Lösung passt, richtet sich nach den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Patienten sowie nach den räumlichen Bedingungen vor Ort. Auf- und Absteigen sind nicht bloß organisatorische Zwischenschritte: Sie können als aktive therapeutische Übungen gestaltet werden, etwa indem Stand- und Gehbewegungen einbezogen werden.

Auch die Umgebung muss passen. Nach den DKThR-Richtlinien findet die Behandlung in einer Halle oder auf einem eingefriedeten Reitplatz mit Mindestmaßen von 15 mal 30 Metern statt. Störender Publikumsverkehr wird ausgeschlossen. Das schafft einen kontrollierbaren Rahmen, in dem Pferd und Patient nicht unnötig abgelenkt werden.

Die Vorbereitung ist Teil der Behandlung: Befund, Transfer und passende Rahmenbedingungen entscheiden mit darüber, wie sicher und sinnvoll die Bewegung auf dem Pferd genutzt werden kann.

Für Patientinnen und Patienten ist praktische Vorbereitung meist unkompliziert. Sinnvoll ist Kleidung, die Bewegung zulässt und der Witterung entspricht. Was im Einzelnen gebraucht wird, sollte die Praxis vorab mitteilen, denn Ausstattung und Transferhilfen können je nach Standort variieren. Starre gymnastische Vorübungen gibt es nicht als allgemeines Pflichtprogramm. Die physiotherapeutischen Maßnahmen richten sich nach dem individuellen Befund.

3. Pferd und Team: Wer welche Aufgabe übernimmt

Eine Hippotherapie wird im interdisziplinären Dreierteam durchgeführt. Dazu gehören die speziell ausgebildete Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut mit DKThR-Zusatzqualifikation, ein separater geschulter Pferdeführer und das ausgebildete Therapiepferd. Die Rollen sind klar verteilt, damit die Behandlung zugleich therapeutisch begleitet und das Pferd kontrolliert geführt werden kann.

Der Pferdeführer steuert das Pferd am Langzügel. Die Therapeutin oder der Therapeut läuft neben dem Patienten, sichert ihn bei Bedarf und nimmt während der Bewegung Korrekturen vor. Der Patient reagiert auf die Bewegung des Pferdes; er führt das Tier nicht selbst. Diese Aufgabenteilung ist zentral für den Ablauf und unterscheidet Hippotherapie von Reitunterricht oder anderen pferdegestützten Angeboten.

Auch das Pferd wird vor der Sitzung vorbereitet. Es wird geputzt und aufgewärmt und mit Gurten beziehungsweise Pads ausgerüstet. Hilfszügel oder Ausbinder kommen dabei nicht zum Einsatz. Das passende Therapiepferd muss für diese Arbeit ausgebildet sein; seine Bewegung und sein Verhalten bilden einen Teil der therapeutischen Bedingungen.

Vor Beginn stimmen sich die Beteiligten über den Ablauf und die erforderliche Unterstützung ab. Während der Behandlung beobachtet die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut fortlaufend, wie der Patient sitzt und auf die Bewegung reagiert. Bei Bedarf wird die Position angepasst oder die Einheit beendet. Die konkrete Gestaltung bleibt damit an den Befund gebunden und folgt keinem identischen Übungsprogramm für alle.

4. Aufstieg und Behandlungsphase im Schritt

Der Transfer auf den Pferderücken erfolgt mithilfe geeigneter Aufstiegshilfen, etwa einer Rampe, eines Podests oder eines Lifters. Je nach Situation kann das Aufsteigen selbst therapeutisch genutzt werden. Danach wird der Patient positioniert und durch die Physiotherapeutin oder den Physiotherapeuten begleitet.

Die Behandlung erfolgt ausschließlich im Schritt. Das Pferd wird am Langzügel geführt; Trab und Galopp gehören nicht zum therapeutischen Ablauf der Hippotherapie. Während das Pferd geht, überträgt sein Schrittzyklus dreidimensionale Bewegungsimpulse auf Becken und Wirbelsäule des Patienten. Pro Minute sind es ungefähr 90 bis 110 Impulse. Sie ähneln in ihrer Bewegungsrichtung dem menschlichen Gangmuster.

Diese Impulse werden nicht einfach passiv „abgesessen“. Der Körper reagiert auf die Bewegung und muss sich fortlaufend anpassen. Wie genau die Behandlung ausgerichtet wird, entscheidet sich nach dem physiotherapeutischen Befund und der Reaktion des Patienten. Die Therapeutin oder der Therapeut begleitet die Haltung, stabilisiert bei Bedarf und korrigiert die Position.

Die reine Zeit auf dem Pferd beträgt üblicherweise 20 bis 30 Minuten. Die Begrenzung dient dazu, eine neurophysiologische oder muskuläre Überlastung zu vermeiden. Eine längere Einheit ist deshalb nicht automatisch wirksamer. Entscheidend ist, dass Dauer und Belastung zur Person passen. Als übliche Frequenz gelten ein bis zwei Einheiten pro Woche; der konkrete Rhythmus hängt von der Verordnung, der individuellen Situation und den verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten ab.

5. Absteigen, Nachbesprechung und weitere Planung

Auch das Absteigen wird unterstützt und kann, wenn es zum Befund passt, als aktive Übung gestaltet werden. Anschließend kann die Therapeutin oder der Therapeut die Reaktion auf die Behandlung besprechen und für die weitere Planung einordnen. Dazu zählen etwa Veränderungen der Haltung, der Beweglichkeit oder des Belastungsempfindens. Eine einzelne Sitzung liefert dabei nicht automatisch eine allgemeingültige Aussage über den Therapieerfolg; maßgeblich ist die Entwicklung im individuellen Verlauf.

Für die erste Stunde lohnt es sich, vorab einige organisatorische Fragen zu klären:

  • Welche Unterlagen und Informationen zur ärztlichen Verordnung benötigt die Praxis?
  • Welche Kleidung und welches Schuhwerk sind für den Standort geeignet?
  • Welche Aufstiegshilfe steht zur Verfügung, und sollte eine Begleitperson eingeplant werden?
  • Wie lange dauert der gesamte Termin einschließlich Vorbereitung und Transfer?
  • Welche Kosten entstehen, und gibt es eine Möglichkeit zur Kostenübernahme?

Gerade die letzte Frage sollte früh geklärt werden. Hippotherapie ist im deutschen Heilmittelkatalog nicht als Regelleistung verankert. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgt deshalb nicht automatisch; sie kann je nach Krankenkasse und Einzelfallentscheidung unterschiedlich ausfallen. Die ärztliche Verordnung ist eine wichtige Voraussetzung für Anträge, sie garantiert jedoch keine Erstattung. Die Praxis kann erläutern, welche Unterlagen sie für eine Anfrage benötigt und welche Kosten selbst zu tragen sind.

Der Ablauf ist klar, die Behandlung bleibt individuell

Die Behandlungsphasen der Hippotherapie folgen einer nachvollziehbaren Reihenfolge: ärztliche Indikationsstellung, physiotherapeutische Eingangsbefundung, Vorbereitung von Patient und Pferd, unterstützter Transfer, Behandlung im Schritt und begleitetes Absteigen. Innerhalb dieses Rahmens wird jede Sitzung an die Person angepasst.

Wer sich auf die erste Stunde vorbereitet, sollte vor allem die Verordnung, den Ablauf des Transfers und die Kostenfrage mit der Praxis klären. Auf dem Platz übernehmen Therapeut und Pferdeführer die jeweiligen Aufgaben; das Pferd wird geführt, und die Bewegungsimpulse werden physiotherapeutisch begleitet. So entsteht aus einer kontrollierten Schrittbewegung eine gezielte Behandlung, deren Dauer und Gestaltung sich am Befund orientieren.

Häufige Fragen

Welche Voraussetzungen müssen vor der ersten Hippotherapie erfüllt sein?
Vor der ersten Behandlung braucht es eine ärztliche Verordnung, eine physiotherapeutische Einschätzung sowie ein abgestimmtes Team aus Patient, Pferd und Umgebung.
Wie lange dauert eine Hippotherapie-Sitzung auf dem Pferd?
Für die reine Behandlungszeit auf dem Pferderücken sind in der Regel 20 bis 30 Minuten vorgesehen, um eine Überlastung zu vermeiden.
Wer führt das Pferd während der Therapie?
Das Pferd wird während der gesamten Behandlung von einem geschulten Pferdeführer am Langzügel gesteuert, während die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut die Haltung begleitet.
Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Hippotherapie?
Eine Kostenübernahme erfolgt nicht automatisch, da die Hippotherapie im deutschen Heilmittelkatalog nicht als Regelleistung verankert ist und je nach Kasse und Einzelfall unterschiedlich ausfallen kann.
Welche Gangarten werden bei der Hippotherapie geritten?
Die Behandlung findet ausschließlich im Schritt statt, während Trab und Galopp nicht zum therapeutischen Ablauf gehören.